Hans Reiser will Namesys verkaufen

Im Zusammenhang mit der vor zweieinhalb Monaten erfolgten Verhaftung will Hans Reiser anscheinend seine Firma Namesys verkaufen. Dies geht aus dem ersten Interview hervor, welches er seit der Verhaftung im Oktober gegeben hat. Reiser benötigt das Geld für die Verteidigung im Falle des Mordes an seiner Ex-Frau Nina Reiser. Erste Anhörungen hat das Gericht für den zweiten Januar anberaumt.

Namesys steht vor allem für das Linux-Dateisystem Reiser4, den Nachfolger des bekannten ReiserFS (zuletzt in Version 3.6 verfügbar). Hans Reiser entwickelt zusammen mit einer Gruppe russischer Entwickler an dem Projekt, die Finanzierung erfolgte großteils aus Forschungstöpfen der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA). Obwohl Reiser4 bereits Mitte 2004 für stabil erklärt wurde, ist es bis heute nicht Teil des Vanilla-Kernels. Hans Reiser und einige ranghohe Kernel-Entwickler streiten sich in regelmäßigen Abständen um verschiedene Bestandteile von Reiser4, die Codequalität an sich, oder das Benehmen von Reiser selbst. Ende 2005 war außerdem bekannt geworden, dass durch die Entwicklung von Reiser4 bereits Schulden in Höhe von 200.000 Dollar aufgelaufen seien.

Ich beteilige mich grundsätzlich nicht an irgendwelchen Spekulationen um Schuld oder Unschuld, diese Frage wird das Gericht lösen. Die Integration von Reiser4 in den Kernel dürfte nun aber mehr oder weniger Geschichte sein.